{"id":694,"date":"2017-08-06T14:25:31","date_gmt":"2017-08-06T12:25:31","guid":{"rendered":"http:\/\/leifgottwald.de\/?p=694"},"modified":"2023-03-29T16:11:38","modified_gmt":"2023-03-29T14:11:38","slug":"meine-erste-reise-nach-china","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/leifgottwald.de\/index.php\/2017\/08\/06\/meine-erste-reise-nach-china\/","title":{"rendered":"Meine erste Reise nach China&#8230;"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column][vc_column_text]Zwei Wochen China. Stadt und Land. Shanghai und Hefei. Alles neu, alles fremd, alles anders&#8230;<\/p>\n<p>Nach 11 Stunden Flug hatte ich mich auf wesentlich strengere Einreisekontrollen im kommunistischen China eingestellt, muss aber feststellen, dass sich die Einreise als weniger kompliziert als beispielsweise in den USA gestaltet. Keine Pseudofragen nach beruflicher Expertise (ich muss immer noch schmunzeln, wenn ich daran zur\u00fcckdenke, dass mich vor einigen Jahren ein US Homeland Security Officer gefragt hat, aus wie vielen Bit ein Byte besteht um meine IT Expertise zu \u00fcberpr\u00fcfen), einfach nur ein freundliches L\u00e4cheln und schon geht\u2019s ans Gep\u00e4ckband.<\/p>\n<p>Dort erlebe ich dann zum ersten Mal China \u2013 obwohl ich in der ersten Reihe stehe, dr\u00e4ngen sich ganz ungeniert 2 Chinesen vor mich und gef\u00fchlt kitzeln mich deren Kopfhaare in der Nase \u2013 so eng stehen wir zusammen. Ich lass&#8217; sie einfach stehen\u2026<\/p>\n<p>Mit meinem Koffer geht\u2019s dann nach drau\u00dfen in Richtung Taxi-Stand und ich kann mich nur schwer den vielen \u201e\u2026 better private taxi, fast, Sir\u2026\u201c Anbietern erwehren. W\u00e4hrend ich den ersten 10 Schreih\u00e4lsen noch mit freundlichem \u201eNo, thank you\u201c begegne, bekommen die n\u00e4chsten gef\u00fchlt 30 nur noch einen bitterb\u00f6sen Blick als Antwort. Genug!<\/p>\n<p>Mein Taxifahrer spricht kein Wort Englisch, ich habe zum Gl\u00fcck meine Hoteladresse auf Mandarin ausgedruckt und zeige sie ihm. Ich bin mir nicht sicher ob er lesen kann, er f\u00e4hrt mit seinem 5 cm langen, gelben Daumennagel immer wieder \u00fcber die Adresse und f\u00e4hrt schlie\u00dflich in Richtung City ab. Das Taxi ist ein alter VW Santana aus den 80igern, die Sto\u00dfd\u00e4mpfer sind noch Originale. Bei jedem Schlagloch f\u00e4hrt\u2019s mir ins Kreuz so dass ich am liebsten selbst das Steuer \u00fcbernommen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es mich nun die n\u00e4chsten 60 Minuten durchsch\u00fcttelt ziehen unz\u00e4hlige Hochh\u00e4user an uns vorbei, alle von der gleichen Bauart und offensichtlich von extrem schlechter Qualit\u00e4t. Graue Wohnbl\u00f6cke, dicht gestaffelt \u2013 bei uns w\u00fcrde man sofort davon ausgehen, dass es sich hier um Brutst\u00e4tten von Gewalt und Konflikten handeln w\u00fcrde. Scheint hier aber nicht der Fall zu sein, man sagt mir sp\u00e4ter, dass es f\u00fcr viele Chinesen ganz ok w\u00e4re so zu wohnen.<\/p>\n<p>Die Monotonie der Fahrt wird immer wieder durch ein abgrundtiefes Rotzen von links vorne unterbrochen \u2013 meine G\u00fcte, wo holt er nur den ganzen Schleim her? Aber das wird mir hier in den kommenden Tagen noch des \u00d6fteren begegnen\u2026 Fenster auf und raus damit, ich bin froh hinten rechts zu sitzen\u2026<\/p>\n<p>Vielleicht gilt es noch zu erw\u00e4hnen dass es kein Radio im Wagen gab &#8211; aber daf\u00fcr den Bordfunk. Ich hatte ja bereits erw\u00e4hnt dass die Fahrt \u00fcber eine volle Stunde ging, zwischendurch musste ich einfach mal kurz die Ger\u00e4uschkulisse im Wagen mit meinem iPhone aufnehmen. Glaubt mir ja sonst keiner&#8230; also, Ton an und los&#8230;<\/p>\n<div style=\"width: 1180px;\" class=\"wp-video\"><video class=\"wp-video-shortcode\" id=\"video-694-1\" width=\"1180\" height=\"664\" autoplay preload=\"metadata\" controls=\"controls\"><source type=\"video\/mp4\" src=\"http:\/\/leifgottwald.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Taxi.mp4?_=1\" \/><a href=\"http:\/\/leifgottwald.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Taxi.mp4\">http:\/\/leifgottwald.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Taxi.mp4<\/a><\/video><\/div>Irgendwie geht auch diese Fahrt vor\u00fcber und nachdem mir die Sto\u00dfd\u00e4mpfer des VW Santanas einen letzten Gru\u00df ins Kreuz verpasst haben, reiche ich dem Taxifahrer einen gro\u00dfen Schein \u2013 und bekomme sofort ein \u201eThank you, Sir\u201c zu h\u00f6ren. Nix da, ich bin erstmal \u00fcberrascht von der Dreistigkeit des Fahrers. Glaubt er allen Ernstes, dass ich 200% Trinkgeld gebe? Schlie\u00dflich r\u00fcckt er die Piepen raus, zieht nochmals kr\u00e4ftig die Nase hoch\u2026<\/p>\n<p>Angekommen im Hotel, erlebe ich eine andere Facette Chinas, die ich so nicht erwartet hatte \u2013 die schamlose Ausrichtung auf\u2019s Geld. Obwohl das Hotel mit 5***** Sternen deklariert ist, der Customer Service am Empfang verdient keinen einzigen Stern. Kein \u201e\u2026Hallo Sir, welcome to our hotel, we hope you had a pleasant trip\u2026\u201c,\u00a0sondern schlichtweg die beiden folgenden W\u00f6rter \u201eName? Credit Card!\u201c. Das ist auch alles was wir am Empfang austauschen, dann geht\u2019s auch schon auf\u2019s Zimmer. Schwere Mahagoni-Fake-M\u00f6bel, ein Hochflor-Teppichboden der die hohe Luftfeuchtigkeit und den Rauch 1000er Zigaretten permanent abgibt \u2013 und ein Blick auf unz\u00e4hlige Hochh\u00e4user, alle von der gleichen Bauart, aber offensichtlich von schlechter Qualit\u00e4t. Man sagt mir sp\u00e4ter\u2026<\/p>\n<p>Abends gehe ich noch in den Shoppingkomplex gleich dem Hotel etwas essen, aber chinesische K\u00fcche wie ich sie aus Deutschland kenne ist alles andere als chinesische K\u00fcche vor Ort. Auf der Karte stehen \u201eMarinated Chicken Feet\u201c und \u201eFried Frog\u201c\u2026 &#8211; ah ja, und nun?<\/p>\n<p>Ich bestelle irgendein Gericht mit H\u00fchnerfleisch in dem ich mit dem Finger auf das laminierte Men\u00fc deute. Das Gericht auf dem Bild ist leider nicht mehr so richtig zu erkennen, denn entweder ist direkt beim Laminieren irgendeine Fl\u00fcssigkeit ausgelaufen, oder aber das Bild ist eh aus dem Internet geklaut und die Qualit\u00e4t war nie besser. Ich bestelle also Huhn, in der naiven Annahme, dass ich ein St\u00fcckchen H\u00fchnerbrustfilet serviert bekommen w\u00fcrde. Huhn bedeutet hier \u2013 einfach einen ganzen Gockel nehmen, wie wild und ohne System mit dem Beil darauf einhacken und dann alles (und zwar wirklich alles!) in den Topf.<\/p>\n<p>Und so isst man das dann auch \u2013 einfach rein in den Mund, lange kauen und dann hoffen, dass man auch wirklich alle Knochensplitter in der Mundh\u00f6hle ersp\u00fcrt hat. Unter jedem Tisch steht auch praktischerweise ein M\u00fclleimer, in den man dann einfach den Auswurf reinschmei\u00dft. Wie es \u00fcbrigens auch alle anderen G\u00e4ste am gleichen Tisch des Abends vorher schon gemacht haben. Ich riskiere immer wieder mal einen Blick in den M\u00fclleimer und stelle erleichtert fest, dass die anderen G\u00e4ste auch nicht alles Fleisch vom Knochen wegbekommen haben.<\/p>\n<p>Ich bin heute Abend die einzige \u201eLang-Nase\u201c im Restaurant was nat\u00fcrlich die Neugier der Bediensteten auf sich zieht.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich verzweifelt an den Knochen nage, stehen die beiden Angestellten des Restaurants einen Meter von meinem Tisch entfernt und schauen mich an. Permanent. Stehen einfach da und glotzen auf mich. Ich glotze zur\u00fcck \u2013 es \u00e4ndert sich nichts, einfach nichts \u2013 also dann, bleibt halt stehen und glotzt. Mir doch egal. Irgendwann geht die eine Bedienung dann nach drau\u00dfen um pseudom\u00e4\u00dfig die Au\u00dfenscheibe zu putzen. Da mein Tisch aber direkt am Fenster steht stelle ich fest, dass dies nat\u00fcrlich nur ein Vorwand war, um noch n\u00e4her an mich heranzukommen. Der eine glotzt frontal, die andere putzt gef\u00fchlt 50 cm neben meiner linken Schl\u00e4fe die Scheibe. Ich beginne intuitiv schneller zu kauen\u2026<\/p>\n<p>Es ist mittlerweile 21:00 Uhr als ich das Restaurant verlasse \u2013 und mir einer der beiden Bewacher in voller Lautst\u00e4rke dann noch ein \u201eGood Morning\u201c hinterher br\u00fcllt. Ich antworte ebenfalls mit \u201eGood Morning\u201c und mache mich auf den R\u00fcckweg. Geschmacklich war\u2019s ok\u2026<\/p>\n<p>Aber das Essen sollte mich in den n\u00e4chsten Tagen noch das eine oder andere Mal vor schwerwiegende Entscheidungen stellen.<\/p>\n<p>Viele Gesch\u00e4ftsmeetings enden mit einem gemeinsamen Abendessen. Und zwar unmittelbar nach dem Workshop. Das bedeutet wir machen die Schlussreflektion gegen 17:30 Uhr und sitzen gef\u00fchlt um 17:32 am runden Tisch mit einer riesigen Drehscheibe in der Mitte. Alles wird geteilt \u2013 und da ich der einzige Neue (noch dazu aus Deutschland) bin, f\u00fchle ich mich ein wenig wie der Bremsgummi vom Gl\u00fccksrad. Nur dass bei mir immer gestoppt wird. Sehr nett gemeint, aber irgendwie auch skurril, da h\u00e4lt eine undefinierbare \u201eK\u00f6stlichkeit Asiens\u201c nach der n\u00e4chsten und alle anderen acht Personen am Tisch schauen wie ich beherzt zugreife. Ich esse eine komplette Garnele mit sechs Beinen, Panzer und Schwanz; ich esse ein Chili-Gericht dass derma\u00dfen scharf ist, dass ich mir den Mund mit einer Serviette abwische und aus Versehen damit auf die Wange komme \u2013 diese brannte noch 5 Minuten nach.<\/p>\n<p>Vor allem mit dem Fleisch habe ich Probleme. Zuhause achten wir sehr auf \u201elow fat\u201c \u2013 essen jedoch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viel Fleisch. Aber hier \u2013 nur von Sehnen und Fett durchzogene W\u00fcrfel, au\u00dfen entweder glibberige Haut mit gro\u00dfen Poren oder eben alles am Knochen.<\/p>\n<p>Nach dem 5. Stopp des Gl\u00fcckrads kommt mir die rettende Idee \u2013 ich werde selber zur Gl\u00fccksfee Maren Gilser und \u00fcbernehme fortan das Drehen des Rads in Eigenregie. Das ziehe ich dann auch den kompletten Abend so durch. So ein Zufall, wieder stoppt der Tofu-Topf vor mir. Aber obwohl ich immer noch der Meinung bin, dass Tofu einfach nach nichts schmeckt, tr\u00e4gt er mich doch durch den kompletten Abend. Danke Tofu!<\/p>\n<p>An einem anderen Abend treffe ich in Shanghai einen Photographen aus Texas. Ein ziemlicher Kasten und nicht die hellste Kerze am Baum, denn er r\u00e4t mir zu sensationellen Photo-Spots f\u00fcr die man nur illegal im Financial District \u00fcber ein paar Z\u00e4une klettern muss. Klar, die chinesischen Security-Angestellten h\u00e4tten ihn schon ein paar mal erwischt, aber das kann man eigentlich vergessen. Nach ein paar Minuten ziemlich flachem Photo-Small-Talk frage ich ihn, wo er hier essen geht. Wie schon erw\u00e4hnt &#8211; ein ziemlicher Kasten, der muss wissen wo&#8217;s schmeckt. Er empfiehlt mir \u201eYang\u2019s Dumplings\u201c \u2013 Handteller-gro\u00dfe Maultaschen mit Hackfleischf\u00fcllung. Gleich um die Ecke. Ach ja, und pass auf, die Dinger sind innen mit Suppe gef\u00fcllt und super hei\u00df. Klar!<\/p>\n<p>Ich finde Yang\u2019s gleich drei Stra\u00dfen weiter und komme mit Englisch leider nicht weiter. Also, \u201ePoint It\u201c \u2013 mit dem Finger auf das gro\u00dfe Bild \u00fcber der Kasse und dann mit den Fingern die Anzahl. Ich bestelle 2 Dumplings mit Schweinehack und 2 mit Shrimps. Meine beiden Finger f\u00fcr die Zahl 2 sind der Zeige- und der Mittelfinger. Im Chinesischen bedeutet das aber 8. So sitze ich vor 16 Handteller-gro\u00dfen Maultaschen und bin derma\u00dfen komplex, dass ich das mit der Suppenf\u00fcllung komplett ausblende. 2 Sekunden sp\u00e4ter wird\u2019s warm am Oberschenkel \u2013 der Dumpling hat sich nat\u00fcrlich in Richtung Hose ge\u00f6ffnet. Ich rieche f\u00fcr den Rest des Abends nach Schweinehackfleischsuppe.<\/p>\n<div style=\"width: 1180px;\" class=\"wp-video\"><video class=\"wp-video-shortcode\" id=\"video-694-2\" width=\"1180\" height=\"664\" autoplay preload=\"metadata\" controls=\"controls\"><source type=\"video\/mp4\" src=\"http:\/\/leifgottwald.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Dumplings.mp4?_=2\" \/><a href=\"http:\/\/leifgottwald.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Dumplings.mp4\">http:\/\/leifgottwald.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Dumplings.mp4<\/a><\/video><\/div>Ach ja, als ich von der Angestellten einen Sitzplatz an einem der engen Tische zugewiesen bekomme, z\u00fcckt 2 Sekunden sp\u00e4ter mein Tischnachbar sofort das Handy und macht erstmal ein Portrait-Foto von mir. Und dann noch eins mit mir und den 16 Dumplings&#8230; und gef\u00fchlt haben 2.000 follower von ihm auf WeChat die beiden Bilder weitere 2 Sekunden sp\u00e4ter auf ihren Handys&#8230;<\/p>\n<p>Fr\u00fchst\u00fcck \u2013 das ist meine Zeit. Obwohl ich normalerweise kein gro\u00dfer Fr\u00fchst\u00fccker bin \u2013 hier gilt es in China m\u00f6glichst viele Kalorien f\u00fcr den verbleibenden Tag aufzunehmen. Wie Jan Frodeno nach den 180 km Radfahren. Pancakes, Baked Beans, Obst und Nudeln \u2013 so kann\u2019s losgehen.<\/p>\n<p>Da es heute in Shanghai 32\u00b0 Celcius hatte, habe ich beschlossen mir einen Iced Coffee bei Costa zu g\u00f6nnen. Mache ich ja normalerweise nie, aber heute war die Kombi mit Schw\u00fcle und Hitze einfach zu viel. Also, Bittesch\u00f6n einen Iced Coffee wie alle anderen im Cafe. Als sie mich dann schwer verst\u00e4ndlich nach \u201eAmericano\u201c fragt, sage ich \u201eyes\u201c \u2013 ein wenig Milch kann nicht schaden. Ich verlasse Costa mit einem gro\u00dfen, siedend hei\u00dfen Grande Americano Kaffee \u2013 es muss wohl ein\u00a0Missverst\u00e4ndnis gegeben haben\u2026 Reklamation macht keinen Sinn, wie soll ich ihr den Unterschied zwischen einem Eiskaffee und einem Cafe Americano erkl\u00e4ren?<\/p>\n<p>Bei uns auf dem Land wei\u00df jedes Kind wie man einen Eiskaffee zubereitet \u2013 Filterkaffee, 2 Kugeln Vanilleeis von Sch\u00f6ller (man kann auch F\u00fcrst P\u00fcckler Art verwenden \u2013 muss aber da h\u00f6llisch aufpassen, dass man auf keinen Fall den Erdbeerstreifen erwischt \u2013 Schoko geht zur Not noch) und oben Schlagsahne drauf. Ist das soooo schwer?<\/p>\n<p>Oder dann gleich den \u201eBanana Split\u201c \u2013 eine l\u00e4ngliche Schale, die Banane der L\u00e4nge nach h\u00e4lften, abwechselnd Schoko- und Vanilleeis an den Rand, Schlagsahne oben drauf und dann die fl\u00fcssige Schokosauce mit Schwung im Zick-Zack darauf verteilen. Oder den Schwarzwaldbecher\u2026<\/p>\n<p>Und die Eisdiele sollte \u201eSan Marco\u201c, oder \u201eSan Danielle\u201c, oder einfach nur \u201eGelato\u201c hei\u00dfen.<\/p>\n<p>\u201e\u2026 Komm, wir gehen zum Gelato, Scharzwaldbecher essen\u2026\u201c. Innen l\u00e4uft Gianna Nannini oder \u201eFelicita\u201c von Albano und Romina Power, an den Stuhllehnen ist das Blattgold schon leicht abgebl\u00e4ttert und der blaue Stoff mit den wei\u00dfen Punkten betrachtet sich schon seit Jahren im immer matter werdenden Spiegel an der Wand\u2026<\/p>\n<p>Aber wir sind thematisch abgeschweift\u2026<\/p>\n<p>Dieses Gerotze. Daran werde ich mich in 100 Jahren nicht gew\u00f6hnen k\u00f6nnen. Ob Mann, ob Frau, ob jung, ob alt \u2013 immer von ganz unten hochholen, dann im Mund formen, und dann raus damit. Wo man sich gerade befindet macht da keinen gro\u00dfen Unterschied. Ob im Park, auf der Stra\u00dfe \u2013 oder auch im ICE. Hey, ohne Witz, im Gang des ICE\u2019s rotzt der auf den Boden, wischt kurz mit dem Schuh dr\u00fcber und geht weiter.<\/p>\n<p>Und die N\u00e4he. Irgendwie sind mir die Chinesen gef\u00fchlt einfach immer irgendwie zu nah. Sei es in der U-Bahn, sei es wie oben beschrieben im Lokal, eigentlich immer.<\/p>\n<p>Als ich mich gerade daran mache mein kleines Reisestativ aufzubauen und die Einstellungen f\u00fcr die Kamera anzupassen, wird\u2019s gef\u00fchlt ein wenig warm an meiner linken Wange. Eine Szene wie f\u00fcr einen Film \u2013 ich drehe meinen Kopf ganz langsam nach links und habe keine 5cm entfernt einen neugierig schauenden Chinesen vor mir. Wir schauen uns in die Augen, dann drehe ich mich wieder Richtung Kamera und mein \u201eAssistent\u201c tut es mir gleich. Also suchen wir gemeinsam nach der optimalen Kombination von ISO, Blende und Verschlusszeit. Als ich dann per Fernausl\u00f6ser ausl\u00f6se und das Photo auf dem Display erscheint, geht ein Lachen \u00fcber sein Gesicht \u2013 er scheint mit meiner Arbeit einverstanden zu sein.<\/p>\n<p>Solche Situationen passieren mir gef\u00fchlt st\u00e4ndig. Nat\u00fcrlich ist mir bewusst, dass Langnasen nun mal interessanter sind als viele der anderen 1,3 Milliarden Chinesen \u2013 aber hey, warum immer so nah? Au\u00dferdem muss es hier ein wenig Sextourismus geben. Ich bin kaum 5 Minuten in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone unterwegs als ich schon wieder sp\u00fcre, wie mir wieder jemand von hinten links\u00a0gef\u00fchlt zu nahekommt. \u201eHello Sir, do you sexy massagiiiiii?\u201c \u2013 \u201eNo, thank you, no need sexy massagiiiii and no need iphone, and no need Rolex, just need my RUHE\u2026\u201c<\/p>\n<p>Ich setze mich an den Rand da ich beobachten m\u00f6chte, ob ich der Einzige bin der nach \u201csexy massagiiiii need\u201d aussieht. Zum Gl\u00fcck werden massagiiiii\u2019s so ziemlich allen Nicht-Chinesen angeboten \u2013 ich bin beruhigt.<\/p>\n<p>Vielleicht noch eine letzte Anekdote zum Thema N\u00e4he \u2013 ich stehe auf einem Platz in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone und beobachte 2 Chinesinnen mit ihren \u201eRiesen-Hunden\u201c. Unglaublich, ich habe noch nie eine derart gro\u00dfe Z\u00fcchtung gesehen \u2013 oder liegt\u2019s vielleicht daran, dass die Chinesinnen eher kleiner sind? Nun gut, einer der beiden Hunde entdeckt mich und kommt ganz nah ran. Klar, hat er sich sicherlich so abgeschaut. Ohne Witz, der Hund geht mir fast bis an den Bauchnabel. Ich habe keine Angst vor Hunden und verhalte mich ruhig \u2013 denn auf einen chinesischen Hunde-Tollwut-Biss habe ich ehrlich gesagt auch keinen Bock. Der Hund umkreist mich einmal rechtsrum, dann linksrum und bleibt direkt vor meinen Augen stehen, setzt an und macht einen Haufen direkt vor meinen Augen. Soviel zum Thema N\u00e4he\u2026<\/p>\n<p>Wenn ich an dieser Stelle nochmals \u00fcber den Text gehe \u2013 hey, das kommt ehrlich gesagt zu negativ r\u00fcber. Aber ich habe auch keine Lust das nochmals zu schreiben oder umzuformulieren. Daher gebietet es sich einfach auch an dieser Stelle ein paar positive Erfahrungen zu schilden.<\/p>\n<p>Also meine Arbeitskollegen \u2013 durch die Bank freundliche, offene Gesellen die mit gro\u00dfem Interesse und viel Offenheit auf mich zugekommen sind. Auch wenn das Englisch der chinesischen Kollegen des \u00d6fteren ein limitierender Faktor in der Konversation war \u2013 verstanden haben wir uns trotzdem bestens.<\/p>\n<p>Auch zu sehen, wie in Shanghai Elektromobilit\u00e4t bereits gelebt wird \u2013 wow, keine knatternden und stinkenden Zweir\u00e4der mehr, einfach nur ein leises Summen. Auch erlebte ich Shanghai als \u00e4u\u00dferst saubere Stadt, die Parks und Pl\u00e4tze gepflegt, kein M\u00fcll auf der Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Aber am besten schaut ihr Euch mal die komplette Bildergalerie an \u2013 vielleicht kommt\u2019s dann noch ein wenig besser r\u00fcber.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][\/vc_row][vc_column][vc_icon icon_fontawesome=&#8221;fa fa-sign-in&#8221; color=&#8221;black&#8221; link=&#8221;url:https%3A%2F%2Fleifgottwald.de%2Findex.php%2Fshanghai-gallery%2F|||&#8221;][\/vc_column]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column][vc_column_text]Zwei Wochen China. Stadt und Land. Shanghai und Hefei. Alles neu, alles fremd, alles anders&#8230; Nach 11 Stunden Flug hatte ich mich auf wesentlich strengere Einreisekontrollen im kommunistischen China eingestellt, muss aber feststellen, dass sich die Einreise als weniger kompliziert als beispielsweise in den USA gestaltet. 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